„Unternehmen brauchen verlässliche Maßstäbe für die Umweltbewertung von Textilien“

Ökobilanz, Product Carbon Footprint, EPD und PCR: Wer die Umweltwirkungen von Textilprodukten bewerten möchte, begegnet schnell einer Vielzahl von Methoden, Standards und Anforderungen.

09.09.2026

Für Unternehmen wird das Thema zugleich immer wichtiger, weil Kunden und Geschäftspartner zunehmend belastbare Informationen zur Umweltwirkung von Produkten erwarten. Im Webinar „Umweltbewertung von Textilien“ am 8. Oktober 2026 beleuchten EurA und DIN aktuelle Ansätze und zeigen, wie mehr Harmonisierung und Vergleichbarkeit erreicht werden können. Wir haben mit Constance Ißbrücker, Leiterin Umweltpolitik beim Gesamtverband textil+mode, darüber gesprochen, warum sich Unternehmen mit dem Thema beschäftigen sollten.

 

textil+mode: Warum gewinnt die Bewertung der Umweltwirkungen von Textilien für Unternehmen derzeit an Bedeutung?

Constance Ißbrücker: Unternehmen müssen heute immer genauer wissen und belegen können, welche Umweltwirkungen mit ihren Produkten und deren Lebenszyklus verbunden sind. Dabei geht es längst nicht mehr allein um den CO₂-Ausstoß. Je nach Bewertungsmethode können beispielsweise auch Energie- und Ressourcenverbrauch, Wasser, Emissionen oder weitere Umweltwirkungen eine Rolle spielen. Gleichzeitig steigt der Informationsbedarf entlang der Lieferkette. Kunden und Geschäftspartner fragen entsprechende Daten zunehmend ab. Für Unternehmen wird es deshalb wichtiger, die relevanten Methoden zu kennen und einschätzen zu können, welche Informationen sie dafür benötigen.

Wo liegen dabei aktuell die größten Herausforderungen für Unternehmen der Textil- und Modeindustrie?

Constance Ißbrücker: Eine wesentliche Herausforderung ist die Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen. Unternehmen treffen auf verschiedene Standards, Berechnungsmethoden und kundenspezifische Vorgaben. Diese sind nicht zwangsläufig deckungsgleich. Ein Product Carbon Footprint, kurz PCF, kann beispielsweise je nach zugrunde gelegtem Standard oder methodischen Annahmen unterschiedlich ausgestaltet sein. Gerade Unternehmen, die für verschiedene Kunden und Märkte produzieren, kann das vor erhebliche praktische Herausforderungen stellen. Daten müssen erhoben und aufbereitet werden – möglicherweise nach unterschiedlichen Vorgaben. Das kostet Zeit und Ressourcen.

Warum sind Harmonisierung und Vergleichbarkeit so wichtig?

Constance Ißbrücker: Umweltinformationen entfalten ihren Nutzen vor allem dann, wenn klar ist, wie sie zustande gekommen sind und auf welcher Grundlage Produkte bewertet werden. Unterschiedliche Systemgrenzen, Datengrundlagen oder Berechnungsmethoden können dazu führen, dass Ergebnisse nur eingeschränkt miteinander vergleichbar sind. Auch eine Umweltproduktdeklaration allein gewährleistet noch keine Vergleichbarkeit von Produkten. Für Unternehmen ist es deshalb wichtig, dass Anforderungen möglichst einheitlich und nachvollziehbar gestaltet werden. Mehr Harmonisierung kann Doppelarbeit reduzieren und zugleich dazu beitragen, dass Umweltaussagen belastbarer werden.

Im Webinar wird neben Ökobilanzen und Product Carbon Footprints auch das neue DIN EPD-Programm vorgestellt. Was macht diesen Ansatz für die Textilbranche interessant?

Constance Ißbrücker: Environmental Product Declarations, kurz EPDs, ermöglichen es, Umweltinformationen zu Produkten auf einer festgelegten methodischen Grundlage darzustellen. Entscheidend sind dabei unter anderem die sogenannten Product Category Rules. Sie legen Regeln für bestimmte Produktgruppen fest und können damit eine gemeinsame Grundlage für die Erstellung und Vergleichbarkeit von EPDs schaffen. Das neue DIN EPD-Programm richtet den Blick auch auf Branchen außerhalb des Baubereichs. Für die Textilindustrie ist besonders interessant, wie Produktgruppen sinnvoll strukturiert und geeignete PCRs entwickelt werden können. Im Webinar möchten wir deshalb auch diskutieren, wo die Branche konkreten Bedarf sieht. Die Rückmeldungen aus der Branche können wichtige Impulse für die weitere Entwicklung geben.

 

Am 8. Oktober 2026 veranstaltet der Gesamtverband textil+mode das Webinar: Umweltbewertung von Textilprodukten.

Informationen zum Webinar und zur Anmeldung