Verkehrte Welt?

Wissen Sie, warum Damenblusen und Herrenhemden auf unterschiedlichen Seiten geknöpft werden?

21.11.2019

Der Gesamtverband textil+mode sprach mit Mark Bezner, Geschäftsführenden Gesellschafter von OLYMP in Bietigheim-Bissingen.

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textil+mode: Herr Bezner, Damenblusen werden von rechts auf links auf- und zugeknöpft, bei Herrenhemden ist es genau anders herum – warum eigentlich?

Mark Bezner: Das hat tatsächlich historische Gründe, die weit in das letzte Jahrtausend hinein reichen. So sollte es den Kammerzofen erleichtert werden, die Knöpfe der feinen Damen auf- und zuzumachen, wenn sie ihnen gegenüberstanden und ihnen beim An- und Auskleiden halfen. Es gibt auch historische Quellen, nach denen Frauen auf diese Weise besser ihre Babys stillen konnten, da sich die Bluse – mit dem Kind auf dem rechten Arm – leichter mit der linken Hand öffnen und schließen lässt.

textil+mode: Seit wann gibt es denn überhaupt Hemden mit Knöpfen?

Mark Bezner: Schon vor Beginn des Mittelalters, also etwa im Jahr 500 nach Christus, waren Hemden weit verbreitet, allerdings eher als Nachtzeug für Männer. Zunächst waren diese ersten Hemden bodenlang und ohne Knöpfe. Die wurden erst später angenäht und hatten vor allem die Funktion, den Saum zu verstellen, also das Hemd kürzer oder länger tragen zu können. Zum An- und Ausziehen wurde das Hemd einfach übergestreift.

Die nächste Entwicklungsstufe fand auch noch im Mittelalter statt: Hemden wurden mit austauschbaren Kragen versehen, wurden aber immer noch als Unterhemden verwendet, die unter der Wollkleidung oder dem sogenannten Harnisch (Anmerk. Der Redaktion: Ritterrüstung) getragen wurden. Ebenfalls im Mittelalter fing man an, Bündchen an den Hals- und Armausschnitten anzusetzen. Allmählich entstand ein Kragen, der zugebunden werden konnte. In dieser Zeit kamen weitere wichtige Verbesserungen hinzu, zum Beispiel eine Passe am oberen Rückenteil oder ein durchknöpfbares Vorder- oder Rückenteil, das den „Einstieg“ in das Hemd erheblich erleichterte.

textil+mode: Gibt es denn außer der Knöpfung noch weitere Unterschiede zwischen Damen und Herrenhemden?

Mark Bezner: Damenblusen sind natürlich facettenreicher: Schnitte, verschiedene Materialien, modische Verarbeitungsdetails und produktspezifische Raffinessen wie Rüschen oder Biesen sind wesentlich aufwändiger als beim Herrenhemd.

textil+mode: Bei Herren wird bei der Bestimmung der Größe ja auch nur der Halsumfang gemessen, bei Damenblusen geht es nach Konfektionsgrößen…

Mark Bezner: Ja, deshalb werden Damenhemden ja auch auf dem Bügel feilgeboten und Herrenhemden einfach zusammengelegt und verpackt. Bei Herrenhemden sehen sie die entscheidenden Produktmerkmale, Kragen- und Manschettenform, Kurz- oder Langarmvariante, mit Brusttasche oder ohne, sowie Farbe und Design, allesamt auch im zusammengelegten Zustand. Wenn Sie ihre Größe kennen und bei ausreichender körperlicher Selbstdisziplin des Trägers passt Ihnen bei guten Markenhemden immer dieselbe Größe. Im Gegensatz dazu offerieren Damenblusen die beschriebene Variantenvielfalt, die wiederum besser bei vollständig entfaltetem Produkt beurteilt werden kann.

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