Tarifpolitik

Tarifrunde 2021

Zweistellige Umsatzeinbrüche, keine Aussichten auf eine schnelle Erholung. Was die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie zurzeit erlebt, hat es in ihrer wechselvollen Geschichte noch nie in so kurzer Zeit und mit einer derartigen Dramatik gegeben. Die Bekleidungsindustrie ist neben der Tourismuswirtschaft eine der international am stärksten durch die Corona-Pandemie betroffenen Branchen.

Angesichts der dramatischen Umsatzeinbrüche und des neuerlichen Winter-Lockdowns gibt es aus Sicht der Arbeitgeber in der Tarifrunde 2021 keinerlei Verhandlungsspielräume. Die Textil- und Modeindustrie ist auf der Intensivstation - nur gemeinsam schaffen wir es aus der Krise. 

 

Wir befinden uns in einer Tarifrunde, die keiner von uns so je erlebt hat. Es geht dabei um die Überlebensfähigkeit der Textilindustrie in Deutschland. Viele von uns bangen um ihre Existenz. Es wird Jahre dauern, bis wir uns von diesen Umsatzeinbrüchen erholen.

Markus Simon

VERHANDLUNGSFÜHRER DER ARBEITGEBER UND GESCHÄFTSFÜHRER VERSEIDAG-INDUTEX GMBH

Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Geschäftsführer VERSEIDAG-INDUTEX GmbH© imo/phothek

Textilbranche auf Intensivstation

Quelle: destatis; t+m

Einen so rasanten Absturz der Umsätze hat es in der Geschichte der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie noch nie gegeben. Weltweit gehört die Bekleidungsindustrie zu der am schlimmsten betroffenen Branche. Die Wucht der Krise hat die Textilindustrie in Deutschland aber in ihrer ganzen Breite erfasst. So können auch die technischen Textilien den Absturz nicht auffangen. Der neuerliche Winterlockdown ist ein weiterer Rückschlag und wirft den Aufholprozess wieder auf lange Zeit zurück. Die bittere Wahrheit für die Tarifrunde 2021 ist: Die Lage ist so ernst wie nie, es gibt keinen Verteilungsspielraum!

Textilarbeitgeber sichern trotz Krise Beschäftigung

Quelle: destatis; t+m

Die Branche befindet sich in einer existenzbedrohenden Lage. Die Arbeitgeber unternehmen massive Anstrengungen, dennoch die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter zu sichern. Trotz teilweiser Umsatzeinbrüche von bis zu 45 Prozent sind die Beschäftigtenzahlen in der Branche seit Beginn des Jahres 2020 mit etwa 6 Prozent deutlich weniger zurückgegangen. Auch durch das Instrument der Kurzarbeit konnten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten. Und mehr noch: Die Arbeitgeber haben im September 2020 allen Beschäftigten eine Tariferhöhung von 2,3 Prozent gewährt. Das zeigt die hohe Wertschätzung für unsere Mitarbeiter und ist angesichts der dramatischen Lage eine mehr als bemerkenswerte Leistung der Unternehmen.

Bekleidungsbranche kämpft ums Überleben

Quelle: destatis

Bekleidungsbranche kämpft ums Überleben. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beuteln die Hersteller von Bekleidung in einem noch nie da gewesenen Ausmaß. So sind die Umsätze des Bekleidungseinzelhandels während des ersten Lockdowns im Frühjahr um bis zu fast 80 Prozent eingebrochen. Der Dezember-Lockdown hat das Weihnachtsgeschäft im stationären Handel massiv beschädigt. Durch die im Januar weiter angeordnete Schließung des Einzelhandels schätzt der Handelsverband Textil, BTE, dass rund eine halbe Milliarde Modeartikel unverkauft in den Geschäften liegen bleiben und der Winterlockdown Umsatzverluste von rund 10 Milliarden Euro bis Ende Januar aufsummieren wird. 76 Prozent der Modegeschäfte in den Innenstädten sehen ihre Existenz in Gefahr. Wer keine Ware mehr in den Läden verkaufen kann, ordert auch keine neuen Kollektionen. Der Frühjahrslockdown hatte bei den Bekleidungsherstellern und Modemarken Umsatzeinbrüche bis zu 45 Prozent zur Folge. Im November, noch vor dem Winterlockdown, verzeichnete die Bekleidungsindustrie ein Minus von 22 Prozent. Je länger und härter der Lockdown wird, desto dramatischer wird die Lage bei den Bekleidungsproduzenten und Modemarken. Davon wird sich die werthaltige deutsche Modeindustrie auf lange Zeit nicht erholen.

Der Weg aus der Krise ist ein Marathon

Quelle: Tarifumfrage 2020 Gesamtverband textil+mode

Die Folgen der Corona-Pandemie werden die Textil- und Bekleidungsbranche noch sehr lange im Griff halten. In einer Umfrage von t+m aus Oktober 2020 gehen mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen davon aus, dass die Überwindung der Corona-Krise zwischen 18 Monaten und fünf Jahren dauert. Prognosen gehen davon aus, dass mit einer Erholung frühestens Ende 2022 zu rechnen ist, Teile der Branche ggf. sogar nie mehr das Vorkrisenniveau erreichen werden.

Textilbranche unter massivem Kostendruck

Quelle: IW Medien, 2020

Arbeitskosten in Deutschland erhöhen Kostendruck

Quelle: IW Medien, 2020

Die exportabhängige und im internationalen Wettbewerb stehende Branche leidet unter der massiven Kostenlast und der überbordenden Bürokratie in Deutschland. Nicht nur innovative Textilien aus deutscher Produktion sind spitze, sondern auch die deutschen Arbeitskosten und die Energiepreise. In beiden Bereichen gehört Deutschland im internationalen Vergleich bereits seit vielen Jahren zum Spitzenreiter. Allein die Umlage für erneuerbare Energien (EEG) ist bei uns so hoch wie der gesamte Strompreis in den USA. Energie für mittelständische Industrieunternehmen ist in Deutschland kaum noch bezahlbar.

Aktuelles zur Tarifrunde 2021

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Dokumente zur Tarifrunde 2021

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Der t+m-Arbeitgeberverbund (AGV)

Der t+m-Arbeitgeberverbund (AGV) ist satzungsgemäß das zuständige Organ für alle tarif-, sozial- und bildungspolitischen Angelegenheiten. Er setzt sich aus ehren- und hauptamtlichen Vertretern der t+m-Landesverbände zusammen. Er koordiniert die Tarifpolitik und führt die (Entgelt)Tarifverhandlungen für die Branche. Sozialpartner ist die IG Metall. Tarifträgerschaft und Flächentarifvertrag bilden die konstitutiven Merkmale unserer t+m-Landesverbände.

Zahlreiche t+m-Mitgliedsunternehmen mit der Mehrheit der Beschäftigten wählen bewusst die Tarifbindung. Sie schätzen die unbestreitbaren Vorteile des Flächentarifvertrages als gemeinsamen und verlässlichen Ordnungsrahmen. Viele Mitgliedsunternehmen ohne Tarifbindung orientieren sich an den tarifliche Regelungen. Nationale und globale Einflüsse und Veränderungsprozesse sind Chance und Herausforderung zugleich. Daher gilt es die tarifvertraglichen Regelungen stets weiterzuentwickeln. So wird der Flächentarifvertrag auch in der Arbeitswelt von morgen ein gelebtes Instrument bleiben.

Markus Simon

Vorsitzender

Irmgard Listl

1. Stellvertreterin