Rund 80 Personen haben das Projekt mit ihren Ideen unterstützt. © FKT
Rund 80 Personen haben das Projekt mit ihren Ideen unterstützt. © FKT

Zukunftsstrategie: Perspektiven 2035

Werden Carbonfasern künftig aus Stroh gemacht? Ist Textilbeton der Werkstoff der Zukunft? Wie werden sich deutsche Textilproduzenten und Textilmaschinenhersteller in den kommenden Jahren im internationalen Wettbewerb behaupten können? Um die richtigen Antworten auf diese und viele andere Fragen zu finden, hat das Forschungskuratorium Textil (FKT) zusammen mit dem Berliner Institut für Innovation und Technik (iit) die Studie Perspektiven 2035 zur Zukunft der deutschen Textilforschung durchgeführt.

Dieses Projekt schließt an die Ergebnisse der Perspektiven 2025 aus dem Jahr 2012 an. Damals hatte sich das FKT erstmals systematisch mit der Zukunft der Textilforschung und Textilindustrie beschäftigt. Die Perspektiven 2025 lieferten 133 Ideen für textilnahe Anwendungen und 120 Einsatzgebiete für textile Materialien. Das neue Projekt geht weit darüber hinaus, weil hier erstmals verschiedene Methoden miteinander kombiniert wurden, um die Chancen und Risiken für die Textilwirtschaft umfassend zu analysieren. Damit ist zugleich eine in der Textilbranche bislang einzigartige Daten- und Wissensbank entstanden, die profunde Schlüsse auf die künftige Entwicklung der Textilmärkte zulässt.

Die wichtigsten Ergebnisse dieses zehnmonatigen Projektes hat das FKT zusätzlich in einer Kurzfassung zusammengefasst. Sie richtet sich sowohl an Vertreter der Textilbranche, insbesondere aber auch an Entscheider in der Politik, fachfremde Experten, Journalisten und die interessierte Öffentlichkeit.

Der Projektablauf

Die beiden wichtigsten Teile der Studie Perspektiven 2035 waren ein Workshop-Prozess, an dem viele Textilexperten beteiligt waren und zweitens eine ausführliche Datenbank-Analyse. Ergänzt wurde beides durch eine Befragung von Experten, die das Potenzial von künftigen textilen Anwendungen eingeschätzt haben. Hinzu kam viertens ein Wettbewerb unter Studenten aus den Textilwissenschaften. Unter dem Motto »Unternehmer der Zukunft« wurden sie aufgefordert, Geschäftsmodelle zu entwickeln, wie man sie sich im Jahr 2035 vorstellen kann.

Die Visual Roadmap - Die Teilnehmer der Workshops erarbeiten Wege in die textile Zukunft.
Die Teilnehmer der Workshops erarbeiten Wege in die textile Zukunft.

Der Workshop-Prozess

Um möglichst viele Experten in die Entwicklung der Zukunftsperspektiven einzubinden, führten das FKT und das iit im Sommer 2019 in fünf deutschen Städten Workshops durch. Insgesamt nahmen an den Workshops rund 80 Fachleute teil. Etwa 70 Prozent der Teilnehmer stammten aus der Industrie, 30 Prozent aus Forschungseinrichtungen. Ihre Aufgabe war es, in einem vom iit entwickelten Prozess, dem Visual Roadmapping, Meilensteine für eine künftige Entwicklung in der Textilbranche zu identifizieren und zugleich Hindernisse und Herausforderungen herauszuarbeiten.

Bibliometrische Analyse internationaler Forschungsthemen, © iit
Bibliometrische Analyse internationaler Forschungsthemen, © iit

Datenbankanalyse

Mitarbeiter des iit unterzogen die Datenbank Scopus einem Textmining. Basis waren Veröffentlichungen und Konferenzbeiträge. Das Ergebnis lässt eine Aussage darüber zu, mit welchen textilen Themen sich die nationale und internationale Forschung aktuell besonders intensiv beschäftigt.

Um herauszufinden, welche dieser Themen zwischen 2010 und 2019 besonders stark gefördert wurden, analysierte das Projektteam zusätzlich die Förderdatenbank CORDIS der Europäischen Union und den Förderkatalog des Bundes (FÖKAT).

Wohin könnte sich der Textilmarkt aktuell und in der näheren Zukunft weltweit entwickeln? Das lässt sich auch an der Ausrichtung von Startup-Unternehmen ablesen. Die Summen, mit denen verschiedene Staaten ihre Startups fördern, sagt darüber etwas aus.

Das Wissen vieler Experten aus der Textilbranche ist in die Studie eingeflossen.
Das Wissen vieler Experten aus der Textilbranche ist in die Studie eingeflossen.

Die Expertise

Als Ergänzung zum Workshop-Prozess und zur Datenanalyse führte das Projektteam eine Expertenbefragung über das Internet durch. Im November und Dezember 2019 nahmen daran 55 Textilfachleute teil, die das Marktpotential von insgesamt 219 Ideen einschätzten, wie und wo Textil zukünftig zum Einsatz kommen könnte. Diese Ideen stammten sowohl aus der Studie Perspektiven 2025 als auch aus dem aktuellen Workshop-Prozess.

Wortwolke: wichtigste Begriffe für die Geschäftsmodelle der Zukunft

Geschäftsmodelle der Zukunft

Um die Studie abzurunden, wurden mehr als 100 Studenten gebeten, Ihre Vorstellungen davon einzureichen, wie sie sich Textilunternehmen im Jahr 2035 vorstellen. Die dabei entstandenen Geschäftsmodelle wurden in einem Wettbewerb ausgewertet und prämiert. Die Gewinner erhielten eine Einladung zur Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference in Dresden.

Lesen Sie hier mehr über die Befragung der Studenten:
Summerschool 2019

Ergebnisse
In der Summe liefert die Studie eine Fülle an Gedanken und Hinweisen, die Textilfachleuten als Anregung dienen und zugleich eine Orientierungshilfe auf dem Weg in die kommenden 15 Jahre sein sollen. Von besonderer Bedeutung ist das „textile Manifest“, das die wichtigsten Erkenntnisse der Studie in Form von zehn Empfehlungen und Forderungen zusammenfasst:

1. Das Potential neuer Geschäftsmodelle aufdecken.
2. Kreativ in der Entwicklung neuer Märkte sein.
3. Wettbewerbsvorteile durch geringen Energie- und Rohstoffverbrauch verschaffen.
4. Attraktive Arbeitsmodelle für Nachwuchskräfte kreieren.
5. Mit dem eigenen Engagement in Sachen Nachhaltigkeit und Soziales glänzen.
6. Standardisierungsprozesse beschleunigen, um schnell neue Märkte zu erschließen.
7. Brancheneigene Innovations- und Netzwerkplattformen aufbauen.
8. Mit anderen Branchen vernetzen und neue Anwendungsgebiete erschließen.
9. Die Digitalisierung vorantreiben und entsprechende Expertise aufbauen.
10. Interdisziplinäre Anwendungsforschung und Vorlaufforschung stärken.