Das Bundesumweltministerium hat ein sogenanntes Textilgesetz in Vorbereitung, mit dem die Vorgaben der EU für eine Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) umgesetzt werden. In Zukunft sollen Inverkehrbringer von Bekleidung, Heimtextilen und Schuhen Gebühren zahlen. Der Gesamtverband textil+mode hat zusammen mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) eine Allianz gegründet, damit aus den Gebühren ein transparentes, funktionierendes und praxisnahes Sytem für mehr Kreislaufwirtschaft entsteht. textil+mode sprach mit Claudia Landgraf, die beim Gesamtverband die Arbeit der Allianz koordiniert.

textil+mode: Frau Landgraf, warum braucht es gerade jetzt die Allianz für textile Kreisläufe?
Claudia Landgraf: Mit der Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung steht die Textilbranche vor einer wichtigen industriepolitischen Weichenstellung. Entscheidend ist jetzt die konkrete Ausgestaltung: Wir brauchen ein System, das textile Kreisläufe tatsächlich voranbringt und zugleich in der Unternehmenspraxis funktioniert. Dafür muss das Wissen der betroffenen Unternehmen frühzeitig in den Prozess einfließen. Genau hier setzt die Allianz an.
Was war der Auslöser für die Gründung der Allianz – und warum haben HDE und textil+mode dabei zusammengefunden?
Claudia Landgraf: Industrie und Handel werden von der Textil-EPR unmittelbar betroffen sein und tragen künftig einen wesentlichen Teil der Verantwortung und Finanzierung. HDE und textil+mode waren sich deshalb schnell einig: Wenn wir ein funktionierendes System wollen, müssen wir gemeinsam handeln und weitere Akteure der textilen Wertschöpfungskette an einen Tisch bringen. Daraus ist die Allianz für textile Kreisläufe entstanden.
Was muss bei der deutschen Textil-EPR aus Sicht der Unternehmen unbedingt gelingen?
Claudia Landgraf: Die Textil-EPR muss effizient, unbürokratisch und in der Praxis umsetzbar sein. Wichtig sind klare Strukturen, eine angemessene Beteiligung der Hersteller, faire Wettbewerbsbedingungen – auch gegenüber Drittstaatenanbietern – und möglichst europäisch einheitliche Regeln. Gleichzeitig muss das System den unterschiedlichen Produkten und Geschäftsmodellen unserer Branche Rechnung tragen.
Die Allianz versteht sich nicht nur als politische Stimme, sondern auch als Kompetenz-, Dialog- und Umsetzungsplattform. Was bedeutet das konkret?
Claudia Landgraf: Wir wollen nicht nur gemeinsame Positionen formulieren. In der Allianz kommen Unternehmen, Verbände, Forschung und weitere Akteure entlang der textilen Wertschöpfungskette zusammen. In Fachdialogen wollen wir konkrete Fragestellungen diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln. Dabei geht es auch darum, Innovationen zu fördern, voneinander zu lernen und neue Ansätze für funktionierende textile Kreisläufe voranzubringen. Die Ergebnisse dieser Arbeit wollen wir auch in die politische Diskussion tragen.
Wenn ein Unternehmen noch überlegt, ob es mitmachen soll: Was würden Sie ihm sagen?
Claudia Landgraf: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich zu beteiligen. Viele Fragen zur konkreten Ausgestaltung der Textil-EPR sind noch offen. Unternehmen können mit ihrem Wissen aus der Praxis mitgestalten, welche Themen die Allianz aufgreift und welche Lösungen wir gemeinsam entwickeln. Der Einstieg ist unkompliziert: Die Teilnahme ist kostenfrei, wir bieten ein kurzes digitales Onboarding an und die Fachdialoge und Austauschformate finden grundsätzlich digital und themenbezogen statt. Jedes Unternehmen entscheidet selbst, zu welchen Themen es sich beteiligen möchte. Je mehr unterschiedliche Perspektiven wir zusammenbringen, desto besser können Lösungen entstehen, die am Ende auch funktionieren.
Gemeinsamer Aufruf von Handel und Industrie für die Teilnahme an der Allianz für textilie Kreisläufe
Mehr Informationen auf www.allianz-textile-kreislaeufe.de.
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