Frau mit grünem T-Shirt
©shutterstock

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit steht für die mittelständische deutsche Textil- und Modeindustrie ganz oben

Die deutsche Textil- und Modeindustrie steht für Qualität, Werthaltigkeit und Langlebigkeit. Das sind allesamt Attribute, die auf Nachhaltigkeit einzahlen. An erster Stelle steht die Qualität der Produkte unserer deutschen Textil- und Modeindustrie mit rund 1.400 mittelständischen Unternehmen, die in Deutschland ausbilden, Steuern zahlen und für rund 130.000 Arbeitsplätze und Wertschöpfung sorgen.

Nur wenn die Qualität stimmt, werden die werthaltigen Produkte unserer Mittelständler gekauft. Langlebigkeit ist für uns die beste Form von Nachhaltigkeit. Viele unserer Mittelständler sind Familienunternehmen in der dritten und vierten Generation, die nachhaltig wirtschaften und dort, wo sie auch außerhalb Deutschlands produzieren, Standards setzen und Verantwortung tragen.

Nachhaltigkeit gehört seit jeher zur DNA unserer Unternehmen. Dazu zählt die Transparenz entlang der Lieferkette. Mittelständische Unternehmen pflegen über lange Zeit gewachsene Geschäftsbeziehungen zu ihren Lieferanten. Oder sie haben in den Produktionsländern eigene Standorte, an denen sie fertigen. Dort stehen unsere Mittelständler persönlich für gute Arbeitsbedingungen und explizit gegen Kinderarbeit ein. Deshalb engagieren wir uns als Dachverband auch im Bündnis für nachhaltige Textilien.

Nachhaltigkeit steht für die deutsche Textil- und Modeindustrie ebenfalls ganz oben, wenn es um die Transformation der Wirtschaft hin zu einer klimaneutralen und digitalen Wirtschaft und Gesellschaft geht. Eine Umfrage von textil+mode zeigt deutlich, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Branche relevant ist. Bei einem guten Fünftel der befragten Unternehmen beträgt der Umsatzanteil mit nachhaltigen Produkten bereits über 50 Prozent. Über 90 Prozent aller befragten Unternehmen planen, ihre nachhaltigen Produktanteile noch weiter auszubauen. Die Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie gehen davon aus, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten weiter hoch bis sehr hoch sein wird.

Ob Mode oder technische Textilien: Wir gehen voran, wenn es um neue innovative Verfahren und Produkte geht. Von Stoffen aus biobasierten oder recycelten Materialien, digitalen Anwendungen, die Mode passgenau machen, bei der Herstellung Ressourcen sparen und sie immer wieder in den Kreislauf bringen, bis hin zu textilen Filtern, die kostbare Rohstoffe aus Industrieabwässern fischen, um auch diese wiederzuverwenden.

Ingeborg Neumann

Präsidenting Gesamtverband textil+mode

Ingeborg Neumann© photothek/imo

Aktuelles

Mehr Laden

Wir können Grean Deal Textil!

Unsere 16 textilen Forschungsinstitute halten vielfältige Lösungen für textile Anwendungen parat, die schon heute den Aufbruchspfad in die ökologische Moderne weisen: Beispielsweise textile Filter, die Luft und Wasser reinigen und selbst kleinste Reste von Edelmetallen und seltenen Erden aus Abwasser zur Wiederverwendung fischen können. Mit neuen Materialien, deren Grundlage biobasierte Stoffe sind, entstehen neue kluge Kreislaufmodelle, die eine komplette Wiederverwertung über textile Grenzen hinaus ermöglichen.

Auch die Digitalisierung treibt die Nachhaltigkeit in der Textil- und Modeindustrie in großen Schritten voran. Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind zwei Seiten derselben Medaille, wenn es um ressourcenschonende Produktion und eine Verringerung des CO2-Ausstoßes geht. Weniger Verschnitt, Produktion On-Demand, virtuelle Kleideranprobe auf dem Smartphone für die passgenaue Bestellung.

Es geht darum, wirtschaftlichen Wohlstand zu ermöglichen, für sozialen Ausgleich zu sorgen und die natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen zu erhalten. 17 Ziele hat sich die Weltgemeinschaft in der UN-Nachhaltigkeitsagenda bis 2030 gesteckt. Dabei bewegt sich auch die deutsche Textil- und Modeindustrie bei der Umsetzung der Ziele in den verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit, der Verbindung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit.

In diesem Dreieck der Verantwortung hat die deutsche Textilindustrie bereits in den vergangenen beiden Jahrhunderten umwälzende industrielle Einschnitte bewältigen müssen. Mit dem 21. Jahrhundert steht eine neue Zeitenwende an, auf die sich die deutsche Textil- und Modeindustrie in den vergangenen Jahren mit hochinnovativen, nachhaltigen textilen Lösungen für die Zukunftsfragen beim Bauen, Wohnen, in der Medizin, beim Fliegen und Fahren, aber auch bei Bekleidung vorbereitet hat.

Wir können Green Deal Textil: Für die Zukunft geht es darum, dass hochinnovative Textilunternehmen und weltweit bekannte deutsche Modemarken weiterhin am Standort Deutschland bestehen und ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können. Das ist, auch angesichts der schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, aber längst nicht ausgemacht. Voraussetzung ist, dass die Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie überhaupt noch zu wettbewerbsfähigen Preisen in Deutschland produzieren können. Dafür braucht es vor allem die richtigen Weichenstellungen in der Energie- und Umweltpolitik. Wenn es nicht mehr möglich ist, in Deutschland wettbewerbsfähig zu produzieren, wandert die Produktion in Länder ab, in denen es nicht annährend unsere Umweltstandards gibt. Dem Klima und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung weltweit ist damit nicht geholfen. Der neuen Bundesregierung muss es gelingen, Ökonomie, Ökologie und die sozialen Fragen zu vereinen. Sie muss alle Dimensionen der Nachhaltigkeit in den Fokus nehmen.

Ziele sind dafür da, ihnen jeden Tag ein Stück näher zu kommen. Diesem Nachhaltigkeitsansatz folgt die deutsche Textil- und Modeindustrie.

Dr. Maria Rost

Nachhaltigkeitsexpertin beim Gesamtverband textil+mode

Dr. Maria Rost© photothek