Wo das technotextile "Gras" wächst

Ein Muss für mittelständische FuE-Leiter, Unternehmer und Innovationsstrategen. Die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference.

26.08.2019

Mittelständler sind gut beraten, ab und an das Gras wachsen zu hören. Welche aktuellen Impulse kommen von der Wissenschaft, gibt es neue Werkstoffe, in welchen neuen Anwendungsfeldern experimentiert die Konkurrenz? Wer von den kleinen und mittleren Unternehmen dabei auf technische Textilien setzt, kommt an Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference als der führenden Dialogveranstaltung der Branche kaum vorbei. Einer der Schwerpunkte: Die vom FKT seit mittlerweile sieben Jahren veranstaltete Transfer-Session „ZIM-Projekte im Textilbereich“.

 

Im Vorfeld des Kongresses am 29. und 30. November in Aachen haben wir mit einigen Referenten gesprochen: Welche neuen Akzente mit hohem Anwendernutzen werden sie vor voraussichtlich 600 bis 700 Teilnehmern setzen?

Autarke Energiequellen für Smart Textiles: Dr. Jonathan Plentz vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena wird textile Dünnschicht-Solarzellen auf Basis photovoltaischer Funktionsschichten vorstellen. Mit den hauchdünnen Energiespendern können Technologieentwicklungen beispielsweise in den Bereichen Wearables, Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik, die immer noch auf externe Energiequellen angewiesen sind, eines Tages ohne gesonderte Batterien auskommen. Die jetzt entwickelten autarken Energiequellen entstehen durch NanoBeschichtung mit vollkommen ungiftigen und umweltverträglichen Materialien und haben einen Wirkungsgrad von etwa fünf Prozent. Wegen der besonderen Herstellungsweise ließe sich schon jetzt die solare Funktionsfläche auf 25 Quadratzentimeter hochskalieren. Innovativ wie der Ansatz, so Plentz weiter, sei auch die patentierte Verschaltung. Sie werde auf der Textilfläche „mitwachsend“ gleich im Herstellungsprozess integriert.

Neue Textilmaterialien für Bau und Architektur: FuE-Leiter Richard Müller von der Smart Materials Division der Ettlin AG will in Aachen mit einem besonderen Architekturgewebe eine weitere Textilinnovation für das Bauwesen präsentieren. Das inzwischen preisgekrönte Beschattungs- und Witterungsschutzgewebe TransProof® empfiehlt sich als transparenter Wetter- und Sonnenschutz ebenso wie für Überdachungen oder den Membranbau. Die Neuheit vereint vier Eigenschaften, die sich lt. Müller bisher noch niemals in einem Material wiedergefunden hätten: wasserabweisend, luftdurchlässig, UV-abschirmend und transparent zugleich. Eine besondere Herausforderung bei dem zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelten Klima-Gewebes sei die inzwischen patentierte Beschichtung gewesen, so der Experte.

Hybridseil-Detektor misst Mauerfeuchte: Die Romstedt, Gehring & Werner GmbH bringt auf dem Kongress eine spezielle Sensorschnur in die Diskussion um smarttextile Mess- und Hilfsmittel ein. Der zusammen mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut Chemnitz entwickelte Hybridseil-Detektor mit integrierter Sensorik wird fugengenau verlegt und signalisiert aufsteigende Feuchte. Das bereits als Produkt verfügbare Messsystem funktioniert per Fernabfrage bzw. Anzeigetafel. Mit ähnlicher Zielrichtung, nämlich eine Auflagedruckverteilung zu messen oder Feuchte zu detektieren, wird derzeit in deutsch-österreichischer Zusammenarbeit eine elektrisch leitfähige Viskosefaser entwickelt. Dr. Yvonne Zimmermann, Forschungsleiterin vom beteiligten Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland verweist auf die hohe Flexibilität der damit wenig bruchanfälligen Faser. Aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, könne sie Verwendung in smarttextilen Heiz- und Leuchtsystemen bzw. als Sensormaterial finden.

Hohlfasern und Spinnenseide für die Medizin: Zu den neuesten Textilentwicklungen für die Medizin, die auf der Aachen-Dresden-Denkendorfer ITC für Aufmerksamkeit sorgen werden, gehören auch künstliche Blutgefäße aus dem Verzweigungsflechter und Hohlfasern zur biologischen Regeneration.