Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft im Textilsektor ist für unsere Unternehmen nicht erst seit der EU-Initiative zur „Circular Economy“ auf der Tagesordnung.

08.09.2020

Nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen sind unsere Unternehmen an einem wirtschaftlichen Einsatz von Ressourcen und dem Erhalt wichtiger Rohstoffe im Kreislauf interessiert. Wir setzen uns auf nationaler und europäischer Ebene für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, innovative Recyclingtechnologien und eine Förderung von Maßnahmen für eine wirtschaftlich-ökologische Textile Wertschöpfungskette zur Förderung der Textilen Kreislaufwirtschaft ein.

Circular Economy

Intensiv begleiten wir auf europäischer und nationaler Ebene die Diskussionen und Initiativen zur „Circular Economy“. So hat die Europäische Kommission ein großes Potenzial für die Kreislaufwirtschaft in diesem Sektor festgestellt und die Textilindustrie (Bekleidung und Stoffe) als vorrangigen Sektor für die künftige Arbeit ausgewiesen. Ein großer Teil der Mode- und Textilindustrie ist bereits auf diesem Weg engagiert unterwegs, um Systeme und Werkzeuge zur Unterstützung eines skalierten Kreissystems zu entwickeln. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf das durch unseren europäischen Verband EURATEX veröffentlichte „A MANIFESTO TO DELIVER A CIRCULAR ECONOMY IN TEXTILES EURATEX – European Apparel and Textile Confederation, Federation of the European Sporting Goods Industry (FESI), Global Fashion Agenda (GFA), International Apparel Federation (IAF), Sustainable Apparel Coalition (SAC)“. Dieses Manifest stellt den Beginn einer bahnbrechenden, internationalen Entwicklung dar, indem sich die Unterzeichner zu einer branchenweiten Zusammenarbeit bekennen um den Weg zur gemeinsamen Entwicklung einer europäischen Vision für Textilien in einer Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Im Januar 2020 veröffentlichte EURATEX dazu die ausführliche Broschüre "circular textiles - Prospering  in the Circular Economy". 

Arbeitskreis „Textile Kreislaufwirtschaft“ gegründet

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V. hat mit seinem Arbeitskreis „Textile Kreislaufwirtschaft“ auf nationaler Ebene eine Plattform zum Austausch der Akteure innerhalb der textilen Wertschöpfungskette initiiert. Denn für eine Schaffung einer wirtschaftlich-ökologischen Kreislaufwirtschaft gilt es, dass sich alle Akteure der Wertschöpfungs- und Entsorgungskette gemeinsam auf den Prüfstand stellen. Fragen zu zeitgemäßen und passenden Konzepten, deren Wirtschaftlichkeit, der Vernetzung der Akteure sowie dem notwendigen Forschungs- und Investitionsbedarf müssen auf den Prüfstand gestellt, erprobt und weiterentwickelt (aber auch verworfen) werden:

  • Wie passen die Konzepte, sind sie nachhaltig, sind sie wirtschaftlich?
  • Welcher Forschungsbedarf wird gebraucht?
  • Wie reagiert der Markt? Oder muss hier auch ein Umdenken erfolgen und müssen bestehende Marktmechanismen hinterfragt werden?

Für uns ist es in diesem Zusammenhang unabdingbar, die Erfahrung zum Thema Recycling, die die Textilbranche schon seit mehr als 25 Jahren durch intensive Arbeit gesammelt haben zu nutzen. Nur so kann verhindert werden, dass Fehler der Vergangenheit wiederholt werden. Wir fördern und begleiten zahlreiche Forschungsinitiativen in diesem Gebiet und begleiten junge Start-Ups.

Aktuelle Forschungsprojekte

Für die Förderung der vorwettbewerblichen Forschung im Bereich der Kreislaufwirtschaft setzt sich insbesondere auch das Forschungskuratorium Textil (FKT) ein, das die Textilforschung im Gesamtverband koordiniert. So konnten in den vergangenen Jahren mit Unterstützung durch das FKT viele innovative Ideen für die bessere Trennung von Alttextilien oder das sortenreine Recycling entwickelt werden. Dazu gehört aktuell unter anderem die Entwicklung einer neuen Prozesskette, die sehr flexibel die Qualität von Garnabfällen oder Zuschnittabfällen von Spezailfasern analysieren kann, um die Produktqualität von daraus hergestellten Recyclingtextilien vorab einzuschätzen. Damit wird ein Recycling zu hochwertigen Produkten (Upcycling) möglich. In diesem Sinne haben viele der vom FKT geförderten Projekte auch das Ziel, künftig das Downcycling von weit verbreiteten Kunststoffen zu vermeiden. Jährlich werden zum Beispiel 25 Millionen Tonnen PET-Flaschen zu Kunstfasern versponnen. Doch oftmals weicht die Qualität der Recycling-Fasern von der neuer PET-Fasern ab. Daher wird derzeit eine neue Methode entwickelt, die Unterschiede in der Struktur, den Eigenschaften und der Leistungsfähigkeit der Fasern systematisch analysiert. Auch kann die genaue Zusammensetzung des Fasermaterials bestimmt werden. Damit erhalten Hersteller ein Werkzeug, um die Qualität von Recycling-Fasern zu erhöhen, wodurch sich der Recyclinganteil im Endprodukt erhöhen lässt. Und noch ein Thema ist im Kommen: Der Einsatz von recycelten Carbonfasern (rCF). Diese werden heute zu sogenannten rCF-Organoblechen weiterverarbeitet. Aufgrund der sehr hohen Steifigkeit der Carbonfasern sind rCF-Organobleche jedoch nicht besonders schlagzäh. In einem Projekt ist es jetzt gelungen, die Schlagzähigkeit durch eine Modifizierung der Fasermischungen und des Schichtaufbaus zu verbessern. Damit lassen sich diese Bleche jetzt verstärkt in der Luft-und Raumfahrttechnik, im Automobilbau und im Sport- und Freizeitbereich einsetzen.

Novelle Kreislaufwirtschaftsgesetz

Am 6. August 2019 hat das BMU die Verbändeanhörung zur Umsetzung der EU-Abfallrahmenrichtlinie in deutsches Recht (Novelle KrWG) eingeleitet Dieses Gesetzesvorhaben hat für uns große Bedeutung. Wir verstehen und unterstützen das Ansinnen der Bundesregierung, mit der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Kreislaufwirtschaft zu leisten. Allerdings wird hier in vielen Regelungen der zweite Schritt vor dem ersten getan. Die Grundlage neuer legislativer Vorgaben muss eine belastbare Bestandsaufnahme sein. Für die Umsetzung der neuen Initiativen braucht die Textilindustrie Freiraum für die weitere Entwicklung von Konzepten, eingebettet in eine europäische und globale Wertschöpfungskette. Bereits jetzt zeichnet sich aus verschiedenen Forschungsvorhaben ab, dass branchenübergreifende Rohstoffpools gebildet werden müssen, um die Sekundärrohstoffe überhaupt in verarbeitbaren Mengen zu erhalten. Es werden Industrien zusammenarbeiten müssen, die bis dato noch keinerlei Berührungspunkte hatten. Hierfür und für die Entwicklung von umsetzbaren Konzepten generell braucht es in erster Linie fördernde Maßnahmen und einen öffentlichen Diskurs zum technisch-wirtschaftlich Machbaren, aber auch zu bestehenden Zielkonflikten, insbesondere der Chemikalienpolitik. Wir setzen uns daher im weiteren Gesetzgebungsprozess für eine angemessene Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingungen ein.