Mit Textilien Energie aus der Umgebung ernten

Textilkonferenz Aachen-Dresden-Denkendorf mit Diskussionen und Vorträgen zu den Megatrends Neue Materialien und Digitalisierung

24.10.2019

Am 28. und 29. November 2019 findet in Dresden die diesjährige Textilkonferenz Aachen-Dresden-Denkendorf statt. Das Partnerland ist diesmal Großbritannien. Im Vordergrund stehen Themen wie 5G und das taktile Internet, für die künftig viele neue textile Lösungen benötigt werden.

Dass sich die Industrie in einem gewaltigen Umbruch befindet, ist hinlänglich bekannt: Industrie 4.0, Digitalisierung oder Internet of things gehören zu den häufigsten Modewörtern, die heute auf Messen und Branchentreffen zu hören und zu lesen sind. Doch so vertraut die Begriffe auch klingen: Jede Branche steht derzeit vor der Herausforderung für sich selbst zu klären, wie sich die neuen Technologien im Detail umsetzen, nutzen und an die eigene tägliche Arbeit und den eigenen Bedarf anpassen lassen – auch die Textilindustrie. Antworten auf diese Fragen gibt am 28. und 29. November die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference in Dresden. „Vor allem der neue 5G-Mobilfunkstandard wird noch einmal ganz neue Möglichkeiten schaffen, um Sensoren, Maschinen und ganz verschiedene Geräte miteinander zu verbinden“, sagt Prof. Chokri Cherif, Leiter des Instituts für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden, das die jährliche Konferenz mit ausrichtet. Maßgeschneiderte Produkte in kleinen Stückzahlen werden heute von den Kunden erwartet. 5G bietet die Möglichkeit, diese Erwartungen zu erfüllen – stellt aber zugleich die Herausforderung, die Produktionsprozesse daran anzupassen. Wie das funktionieren kann, wird in Dresden der Sprecher der Bundesexzellenzinitiative „Internetbasierte Produktionstechnologien“ erläutern.

In der Industrieautomatisierung und den meisten aktuellen Anwendungen der Industrie 4.0 werden Informationen meist in Form von Zahlen, Messwerten oder Worten übertragen. Einen völlig neuen Ansatz bietet das sogenannte textile Internet, mit dem ein Sender künftig Berührungsreize an den Empfänger schicken kann. Erst die schnelle Datenübermittlung via 5G macht das möglich. „Textilien werden hier eine zentrale Rolle spielen“, sagt Chokri Cherif. Es sei denkbar, sensible textile Auflagen zu fertigen, über die ein Pfleger den Körper eines Patienten abtastet. Das Textil nimmt Verhärtungen oder andere Eigenschaften der Haut oder Körperoberfläche war. Die Information kann dann über 5G an einen Arzt in der Ferne übertragen werden. Das ganze Potential des taktilen Internets wird in Dresden in einem Plenarvortrag vorgestellt. In anderen Plenarvorträgen werden weitere Sprecher von Bundesexzellenzinitiativen zu Wort kommen – zu den Themen „Computational Design and Construction“ sowie „Metamaterialien“, an denen aktuell insbesondere an der Universität Freiburg geforscht wird. Mit Metamaterialien werden Materialien bezeichnet, die sich nach dem Vorbild biologischer Materialien von allein an wechselnde Umgebungsbedingungen oder Oberflächen anpassen können. In Freiburg werden diese Eigenschaften mit weiteren Funktionen verknüpft – zum Beispiel für Materialien, die zugleich aus der Umgebung Energie ernten können. Damit könnten sich künftig energieautarke Bauteile realisieren lassen. Textilien sind hier besonders interessant, weil sie dünn und flexibel sind und sich auf unterschiedliche Art funktionalisieren lassen.

Chokri Cherif hebt vor allem auch die Interdisziplinarität der Konferenz in Dresden hervor, bei der Geschäftsführer und Entscheider mit Entwicklern aus ganz unterschiedlichen Branchen in Kontakt kommen. Neben Vertretern von mittelständischen Unternehmen werden in diesem Jahr auch Experten großer Marktführer dabei sein – von Boeing, Bosch, Daimler, Rollys Royce oder auch Siemens – denn letztlich bieten Hochleistungstextilien für alle Branchen interessante Lösungen. Überhaupt ist die Konferenz ein Branchentreffen mit starkem Industriebezug. So werden an den beiden Tagen auch zahlreiche Best-Practice-Projekte vorgestellt, in denen Entwickler den Schritt aus der Forschung zum fertigen Produkt oder gar eigenen Start-up-Unternehmen geschafft haben. „Die Konferenz ist eine Diskussionsplattform, die ausreichend Raum bietet, damit Experten aus verschiedenen Branchen, aus der Forschung und der Industrie miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Chokri Cherif.

Das Partnerland der Konferenz ist in diesem Jahr Großbritannien. Damit liegt auch ein Schwerpunkt bei den Plenarvorträgen und Keynote-Vorträgen auf diesem Land. Robert Backhouse von Rolls Royce in Bristol spricht über das Potential von Textilien in Leichtgewichtstrukturen und Prof. Dr. Henry Yi Li von der University of Manchester über Fortschritte bei der Anwendung funktionaler Textilien. Auch darüber hinaus gibt es eine Fülle interessanter Aspekte, die in vier parallelen Vortragssessions vorgestellt werden, einer Session zu den Themen „Aktuelle Entwicklungen und Produkte & Marktstrategien & Trends“, einer Session zum Thema „Technische Textilien: Schutz-, Funktionstextilien und textile Membranen“, einer zum Thema „Neue Märkte: Faserverbundwerkstoffe & Composites“ und einer Session zum Thema „Neue Materialien: Polymere Werkstoffe sowie Funktionalisierungen“.

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