Mit kreislauffähigen Textilprodukten unsere Zukunft sichern

In einer groß angelegten Studie widmet sich das Forschungskuratorium Textil (FKT) der textilen Kreislaufwirtschaft. Mit Veranstaltungen, Unternehmensbefragungen und Datenanalysen entsteht ein umfassendes Bild vom Handlungsbedarf der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, um Zukunftspotenziale auszuloten und ganz konkrete Handlungsempfehlungen zu geben.

28.10.2021

Green Deal Textil

Jedes Jahr steigt die Weltbevölkerung auf der Erde um rund 82 Millionen Menschen. Der demografische, aber auch der Klimawandel verlangen nach neuen Lösungen, Ressourcen zu schonen und nachhaltig zu wirtschaften. „In intensiver Kooperation zwischen Textilforschung und Textilindustrie entstehen bereits seit Jahren innovative textile Werkstoffe aus biobasierten Fasermaterialien sowie nachhaltige Herstellungsprozesse und Geschäftsmodelle“, sagt Johannes Diebel, Leiter des FKT. Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein und dies auch in einem Klimagesetz zu verankern. Daraus entstehen neue gesetzliche Anforderungen für das Recycling von Textilien. Auch die Kunden zeigen immer mehr Interesse an nachhaltigen Produkten. „Kreislaufwirtschaft ist eine besonders effiziente Lösung“, so Diebel, „um Ressourcen zu schonen und damit auch klimaschädliches CO2 einzusparen.“

Fragen nach der eigenen Fähigkeit, zur Problemlösung beizutragen oder wer fehlende Kompetenzen beitragen könnte, beschäftigten die Teilnehmer im Workshop.

Gerade in Deutschland produzieren zahlreiche hochinnovative Unternehmen technische Textilien für den Hightech-Bereich. Sie sind wichtiger Bestandteil nachhaltiger, energiesparender oder auch medizinischer Produkte. Neben der Sonne ist die Windkraft eine der wichtigsten Quellen, um erneuerbare Energie zu gewinnen. Carbonfasern im Verbund mit Kunststoffen sind Basis für den erfolgreichen Einsatz von Windrädern. Sie sind leicht, geben Festigkeit und können - ausgestattet mit Sensorik - einen wartungsarmen Betrieb sichern. Die Fasern wieder von den umgebenden Kunststoffen zu trennen und im besten Fall erneut zu verwenden, ist bereits heute ein Ziel, an dem intensiv geforscht wird.

Auch Heimtextilien wie flammgeschützte Vorhänge oder Sofabezüge, antibakterielle OP-Textilien, Berufsbekleidung von Feuerwehr und Polizei oder auch Produktionsabfälle müssen recycelt werden und zukünftig konsequent in geschlossenen Kreisläufen zirkulieren können. Das Forschungskuratorium begleitet gemeinsam mit dem Institut für Textiltechnik Augsburg und dem Beratungsunternehmen Gherzi die deutsche Textil- und Modeindustrie auf dem Weg in eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Circular Economy statt Recycling

„Auf dem Weg von der Linearwirtschaft zur Circular Economy sind wir bei der Recyclingwirtschaft stecken geblieben. Circular Economy ist mehr als die Diskussion um Abfälle und Recycling. Es geht um ein ganzheitliches Verständnis, wie wir mit Materialien und Produkten umgehen wollen. Dazu müssen wir – als ein Team – gemeinsam an einem Strang ziehen,“ erklärt Julia Eckert, verantwortlich für das Thema Circular Economy beim Gesamtverband textil+mode. Der Gesamtverband und das Forschungskuratorium treiben das Thema intensiv voran. „Um Circular Economy richtig ins Rollen zu bringen, müssen sich die Unternehmer der Textilindustrie, aber auch angrenzender Branchen sowie die Forschung aktiv miteinander vernetzen,“ so Eckert.

Startschuss für diese Vernetzung war die Eventreihe „Textile Kreisläufe schaffen, Zukunft gestalten“ mit der Kick-off-Veranstaltung am 22. Juni 2021 sowie vier Follow-Up-Workshops am 15. und 21. September 2021. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen haben Chancen, aber auch Hindernisse identifiziert, die insbesondere bei technischen Textilien einer echten Kreislaufwirtschaft im Wege stehen. Welche ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen setzt diese Entwicklung voraus? Welche Hindernisse können kurz- oder mittelfristig auftreten? Worauf haben die Unternehmen Einfluss, worauf nicht? Das waren nur einige der Leitfragen.

Sieben Themen, die sich aus der näheren Betrachtung aller textilen Prozesse von der Entstehung der Faser bis hin zum fertigen Produkt ergaben, wurden intensiv im zweiten Workshop bearbeitet. Dabei haben sich die Teilnehmer unter anderem den ersten Schritt im Entwicklungsprozess von Produkten angeschaut. Die Erkenntnis: Bereits hier können Designer den Grundstein für eine gelungene Kreislaufwirtschaft legen. Achten sie darauf, dass die verwendeten Materialien sortenrein sind und am Ende des Lebenszyklus der Produkte entsprechend getrennt werden können und problemlos wieder in den Stoffkreislauf zurückkommen, ist die wichtigste Voraussetzung erfüllt. Deshalb ist es von herausragender Bedeutung, Materialien und ihre Eigenschaften genau zu kennen, zu wissen, wie sie kombiniert werden und wie die einzelnen Bestandteile wieder voneinander getrennt werden können – für die Forschung stehen all diese Fragen zentral im Mittelpunkt.

Konsens war bei allen Workshop-Teilnehmern, dass ein umfassendes Netzwerk das größte Potenzial hat, die Kreislaufwirtschaft umfassend voran zu bringen. Neben dem Designer von Produkten, dessen Arbeit eng mit den Ergebnissen der Forschung verzahnt ist, spielt zum Beispiel der Ausrüstungsbetrieb eine wichtige Rolle, der Textilien nachhaltig biobasiert funktionalisiert. Am Ende der Nutzungsdauer eines Produkts ist dann Expertise im Bereich von Recyclingtechnologien gefragt und auch außerhalb der Wertschöpfungskette sind gute Kontakte hilfreich. Der Textilmaschinenbau wird zum Beispiel auch zukünftig eng mit der Textilindustrie zusammenarbeiten müssen, um die Vielzahl der textiltechnologischen Neuerungen optimal in industriellem Maßstab in der Herstellung anwenden zu können.

Wie geht es weiter?

Für Forschungsleiter Johannes Diebel ist die deutsche Textilindustrie auf einem sehr guten Weg zu einer umfassenden textilen Kreislaufwirtschaft. „Die rege Teilnahme an den Veranstaltungen und die Beiträge und Ergebnisse zeigen das hohe Interesse der Unternehmer, die auf der Suche nach passenden Lösungen sind,“ so Diebel.

Im nächsten Schritt soll aus den Erkenntnissen konkretes Handeln werden: „Wir planen weitere Aktivitäten und Formate, um das Ziel einer möglichst vollständigen textilen Kreislaufwirtschaft konsequent weiter zu verfolgen! Beispielsweise arbeiten wir bereits an einer neuen Studie, die den Unternehmen Orientierung bieten soll, wenn es um ganz konkrete Schritte geht.“

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