Die internationale Textilforschung trifft sich in Dresden

Die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference (ADD-ITC) am 26. und 27. November 2026 in Dresden bringt Forschung, Textilindustrie, Startups und Unternehmen zusammen.

02.10.2026

Die ADD-ITC gehört zu den wichtigen internationalen Branchentreffen für textile Innovationen. Das Programm 2026 zeigt besonders deutlich, dass technologische Entwicklung, Kreislaufwirtschaft und wirtschaftliche Umsetzung immer stärker zusammengedacht werden müssen. Eigene Sessions widmen sich dem Technologietransfer sowie Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Von der Idee in die textile Praxis

Wie Innovation schneller den Weg aus Forschung und Entwicklung in die Unternehmen findet, steht am ersten Konferenztag im Mittelpunkt. Die Session „Transfer“ startet am 26. November mit der Keynote „Tex Innovation Hub: Driving Innovation Transfer for the Textile Industry“. Den Vortrag halten Mareike Giebeler (Gesamtverband textil+mode) und Johannes Diebel (Forschungskuratorium Textil). Die sich anschließenden Beiträge aus der Praxis machen deutlich, wie unterschiedlich Transfer aussehen kann.

In der Vortragsreihe „Technologietransfer: Von der Idee bis zur Praxis“ werden weitere erfolgreich in die Industrie überführte Technologie- und Produktentwicklungen vorgestellt. Johannes Diebel, Leiter des Forschungskuratorium Textil, leitet die Session. Vorgestellt werden beispielsweise eine digital vernetzte regionale Produktion am Beispiel OMIMAI in Zusammenarbeit mit den DITF und mit „ProcessDesk“ eine digitale Unterstützung für die Entwicklung eines Schmelzspinnprozesses mit recyceltem Polypropylen. Dass Innovation nicht bei Pilotprojekten stehen bleiben darf, zeigt am Nachmittag auch Michael Pfeifer von MOOT Upcycling. Seine Keynote beschäftigt sich mit der Frage, wie Upcycling auf einen industriellen Maßstab skaliert werden kann. Damit rückt ein für die Kreislaufwirtschaft entscheidender Punkt in den Fokus: Neue Ansätze müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern sich auch wirtschaftlich und in relevanten Mengen umsetzen lassen.

Kreislaufwirtschaft konkret: Faser-zu-Faser-Recycling und Mischtextilien

Wie breit das Thema textile Kreisläufe inzwischen aufgestellt ist, zeigt auch das weitere Programm. Ein gemeinsamer Beitrag von Hochschule Niederrhein, Bache, Textechno und TURNS stellt Strategien für ein hochwertiges Faser-zu-Faser-Recycling von Flachstrickprodukten vor. Das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West präsentiert mit ReMixT zudem Ansätze zur Trennung und Wiederverwendung gemischter Textilien.

Am zweiten Konferenztag erhält die Kreislaufwirtschaft eine eigene Session. Die Keynote „From Fiber to System: Rethinking the Future of the Circular Textile Economy“ von Mandy Hinzmann und Doris Knoblauch vom Ecologic Institut nimmt dabei das Gesamtsystem in den Blick. Weitere Vorträge beschäftigen sich unter anderem mit der Recyclingfähigkeit von Mischungen aus Lyocell und recycelter Baumwolle sowie mit der Optimierung von Textilrecycling und CO₂-Fußabdruck. Auch besonders anspruchsvolle Stoffströme kommen zur Sprache. Resortecs zeigt, wie bislang schwer recycelbare Textilien durch neue Technologien wieder für Kreisläufe erschlossen werden können. Das Prüf- und Forschungsinstitut Hohenstein wiederum stellt den aktuellen Stand der Normung zur Unterstützung der Zirkularität von Textilprodukten und persönlicher Schutzausrüstung vor.

Lösungen von jungen Unternehmen für die Textilindustrie stehen im Mittelpunkt der „Startup short talks“. Mit dabei sind Deep Breath (Dr. Thomas Mäder); ADOTC (Dr. Yves-Simon Gloy), CarboScreen GmbH, Merloop (Monisha Macharla Vasu) sowie HairSense (Till Hülsmann).

Von EPR bis zur funktionierenden Kreislaufwirtschaft

Technologische Fragen gewinnen auch vor dem Hintergrund der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien an Bedeutung. Neue Anforderungen an Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling werden die textilen Wertschöpfungsketten verändern. Entscheidend wird sein, regulatorische Vorgaben so mit industriellem Know-how und neuen Technologien zu verbinden, dass tatsächlich funktionierende Kreisläufe entstehen.

Wie eine solche textile Kreislaufwirtschaft strategisch gestaltet werden kann, diskutiert am Freitagnachmittag Stefan Schlichter von der Technischen Hochschule Augsburg in seiner Keynote „Strategy for a Successful Circular Textile Economy in Germany and Europe“. Weitere Beiträge widmen sich dem thermomechanischen Recycling von Mehrkomponenten-Outdoorbekleidung, einer datengetriebenen Analyse der Faserqualität beim mechanischen Recycling sowie den besonderen Herausforderungen beim Faser-zu-Faser-Recycling von Post-Consumer-Mischgeweben.

Claudia Landgraf, Gesamtverband textil+mode, gibt am zweiten Tag einen Überblick zum aktuellen Stand von EPR und dem geplanten Textilgesetz. Für die Industrie ist dabei wichtig: Hersteller sind nicht nur Inverkehrbringer von Produkten. Sie bringen umfangreiches Wissen über Materialien, Konstruktion, Verarbeitung, Qualität, Einsatzgebiete und Recyclingfähigkeit mit. Dieses Know-how sollte bei der Ausgestaltung künftiger Kreislaufsysteme und der EPR genutzt werden.

Kooperation als Innovationstreiber

Ein weiterer roter Faden des Programms ist die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. Wie wichtig Kooperation für die Markterschließung neuer zirkulärer Produkte sein kann, zeigt beispielsweise ein Vortrag von Evonik Operations und dem TFI – Institut für Boden- und Raumsysteme an der RWTH Aachen. Am Beispiel eines kreislauffähigen Monomaterial-Bodenbelags wird Technologietransfer ausdrücklich als gemeinsamer Entwicklungs- und Markterschließungsprozess betrachtet.

Genau hier können auch Startups eine wichtige Rolle spielen. Sie bringen neue Technologien, Materialien, digitale Lösungen und Geschäftsmodelle in bestehende Wertschöpfungsketten. Für etablierte Textilunternehmen eröffnen Kooperationen die Möglichkeit, solche Lösungen frühzeitig kennenzulernen und ihren Nutzen unter realen Bedingungen zu prüfen. Die ADD-ITC schafft dafür mit Vorträgen, Ausstellung und persönlichem Austausch einen geeigneten Treffpunkt für Industrie, Forschung und neue Technologieanbieter. Die begleitende Ausstellung umfasst Unternehmens- und Institutsstände.

Die Aachen-Dresden-Denkendorf International Textile Conference 2026 findet am 26. und 27. November in Dresden statt. Die Tagung wird veranstaltet vom Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM), TU Dresden; Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF); ITA Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University und Forschungskuratorium Textil e. V.

Die internationale Tagung, bei der in diesem Jahr Polen und Tschechien die Partnerländer sind, bietet nicht nur einen Überblick über aktuelle Forschung und neue Technologien. Das Programm zeigt vor allem, wie eng Innovation, industrielle Umsetzung und Kreislaufwirtschaft inzwischen miteinander verbunden sind.

Programm und Anmeldung