Perspektiven 2025

Mit dem Ende 2012 abgeschlossenen Zukunftsprojekt „Perspektiven 2025“ nach dem Motto „Das Denkbare machen, statt das Machbare denken!“ hat die Textilbranche ihren Ruf, nach Automotive und Maschinenbau zu den innovativsten Industriezweigen im Lande zu gehören, einmal mehr bestätigt.

Die von der Textilforschung angestoßene und von einem Zukunftsforscher moderierte Zeitreise in das kommende Jahrzehnt und darüber hinaus ist Vorbild auch für andere (Traditions-)Branchen in Deutschland: Mit dem Ende 2012 abgeschlossenen Zukunftsprojekt „Perspektiven 2025“ nach dem Motto „Das Denkbare machen, statt das Machbare denken!“ hat die Textilbranche ihren Ruf, nach Automotive und Maschinenbau zu den innovativsten Industriezweigen im Lande zu gehören, einmal mehr bestätigt.

Der Zukunftslotse dabei

Begleiter auf der Zukunftsreise in die Mitte des 21. Jahrhunderts war der Münchner Zukunftsforscher Thomas Strobel. Mit seiner Methodik der Zukunftslandkarte wurden zehn Themenfelder (Bekleidung, Ernährung, Gesundheit, Wohnen, Mobilität, Architektur, Zukunftsstadt, Energie, Produktion/Logistik, Basisthemen) als besonders wachstumsrelevant identifiziert und untersucht. Strobel hat in das Projekt zwei überzeugende Sprachbilder eingebracht: „Vorausschauend fahren“ und damit ein „Bauchgefühl für morgen“ entwickeln. Der 1963 geborene Dipl.-Ing. für Maschinenwesen gilt aufgrund seiner beruflichen Vita u. a. in Strategie- und Planungsteams von Siemens und Telekommunikationsfirmen als besonders industrienah. Mit seinen Dienstleistungen und Methoden hat sich der Experte auf systematische Zukunftsplanung und bessere Wissensflüsse in mittelständischen Unternehmen spezialisiert.

Retropolation

Zwei Schritte vor, einen zurück. Der Blick ins Jahr 2050 als Voraussetzung für den „Rückblick“ auf die Notwendigkeiten im Jahr 2025.

Im Projekt „Perspektiven 2025“ hat das Forschungskuratorium Textil ganz bewusst nach einer fernen Zukunft gesucht, um daraus die Leitlinien für die Textilforschung der nächsten 10 bis 15 Jahre abzuleiten. Dieses Verfahren wird Retropolation genannt. Man springt dabei weit voraus ins Jahr 2050, entwickelt über Zukunftsbilder ein „Bauchgefühl von morgen“ für diese Umgebung. Auf Basis von dokumentierten Prämissen folgt ein Blick zurück auf 2025 und daraus die Ableitung, welche Entwicklungen zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht sein müssen.

Daraus werden die Leitlinien für Forschungsaktivitäten im Zeitfenster von heute bis 15 Jahre im Voraus abgeleitet. Kern der Methodik ist es dabei die Versuchung zu umgehen, alleine aus der Gegenwart und den Erfahrungen der Vergangenheit eine Voraussage der Zukunft zu treffen.

Prämissen

Verwirrend und doch mit System: Ohne das jeweilige Expertenwissen aus anderen Disziplinen würde jede Zukunftsforschung zu kurz „springen“.

Die oft in öffentlichen und nicht öffentlichen Studien zusammengefassten Ergebnisse der Trendforschung aus zahlreichen Bereichen waren auch für das Projekt „Perspektiven 2025“ ein Muss. Es wurden insgesamt über 50 Dokumente zu Langfristentwicklungen bis ins Jahr 2050 berücksichtigt, u. a. waren für folgende Bereiche:

Zukunftsstädte
[ext]Urban Futures 2050: Heinrich Böll Stiftung[ext]

Energie
[ext]Energy in 2050: HSBC Trinkhaus[ext]

Basisthemen
[ext]The World in 2050: HSBC Trinkhaus[ext]

Projektablauf

Für das Projekt wurde ein Kernteam von zehn Personen installiert, das den Gesamtprozess steuerte und die Formulierung von Prämissen für Zukunftsbilder in 2050 erarbeitete.

In fünf regional veranstalteten Zukunftsworkshops u. a. in Aachen, Dresden und Denkendorf wurden danach insgesamt über 80 Teilnehmer – Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Verbänden und Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen – in die Bearbeitung der Projekt-Fragestellungen eingebunden. So konnten sowohl Experten, die den Weg in die Zukunft prägen werden, als auch Menschen, die in dieser Zukunft leben werden, mit ihrem Wissen und Zukunftsvorstellungen zu einem panoramaartigen Gesamtbild beitragen.

Für zehn definierte Themenlandschaften wurde dieser intensive Wissensaustausch in einer abgewandelten Form eines World Cafe-Ansatzes moderiert: Architektur, Bekleidung, Energie, Ernährung, Gesundheit, Mobilität, Produktion/Logistik, Wohnen, Zukunftsstadt und die alle Themenfelder durchdringenden Basisthemen.

Ergebnisse

Bunt und schwergewichtig: In fünf Workshops wurden hunderte Ideen für die Nutzung bestehender textiler Lösungen und für neue Anwendungsfelder formuliert.

Der Folgeschritt bestand in der Bereinigung von Doubletten und der Verdichtung ähnlicher Ideen. Danach lagen zwei Ergebnistabellen vor: Zum einen 133 Ideen für textilnahe Anwendungen. Darunter wird der Einsatz faserbasierter Werkstoffe verstanden, der von aktuell vorhandenen Textilen, Verfahren und Lösungen ableitbar ist. Zum anderen zusätzlich 120 neue Anwendungsfelder für Textilmaterialien, die heute textilfremd erscheinen und noch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten benötigen, um bis 2025 verfügbar zu sein.

Für beide Ideenlisten wurde anschließend eine Expertenbefragung durchgeführt, um die kompakt beschriebenen Themen im Hinblick auf erwartete Markpotenziale und Zeithorizonte bzw. Realisierungswahrscheinlichkeiten zu bewerten.

Joggingsocken mit Sensoren, verschleißfreie, schmutzabweisende, selbstreinigende und antibakteriell wirkende Innenraumtextilien für Autos oder Venen auf textiler Basis: Die Textilbranche blickt in eine spannende Zukunft.

FAZ Institut

Zukunftsmanager, Ausgabe 4/2013

Das Forschungskuratorium Textil e. V. (FKT) hat sich die Zukunftsforschung ins Haus geholt. Von den Ergebnissen des Jahresprojekts „Perspektiven 2025“ sollen Verbände und die mittelständisch geprägte Textilwirtschaft profitieren.

openautomation.de

7.5.2013

Neue Fasern und Textilien beflügeln längst nicht nur die Kernbranchen Bekleidung und Heimtextilien, sondern auch die Automobilindustrie, die Medizintechnik und das Bauwesen. Mehr als 50 % des Umsatzes der Textilindustrie in Deutschland entfallen schon auf technische Textilien, die von hoher Innovationsdynamik geprägt sind.

MM Maschinen Markt

22.5.2013